Zimmerei Dufter Inzell

Zimmerei Dufter, Inzell, und eine weltweit einzigartige Maschine, die aus neu alt macht

Es ist fast wie im Heimatroman: Drei Brüder, Hubert, Franz und Stefan Dufter, führen im oberbayerischen Inzell gemeinsam eine Zimmerei, in der es zunächst noch recht traditionell zugeht. Man bearbeitet massive Holzbalken nach einer alten Technik per Hand, damit die Balken mit den ungleichmäßig gehauenen Oberflächen in das Bild des traditionellen alpenländischen Haustyps passen. Eine schweißtreibende Arbeit, die die drei gelernten Zimmerleute ausführen, während ihr Vater nebenbei an einer Maschine bastelt, die Holz so bearbeiten kann, als sei es von Hand geschlagen. Dreißig Jahre später ist aus dem Zimmereibetrieb ein modernes Unternehmen geworden, mit einer genialen Idee, die zur Erfolgsgeschichte wurde. Der kleine Zimmereibetrieb von 1992 ist heute ein erfolgreiches Unternehmen, mit 20 Mitarbeitern und Geschäftskontakten in viele Länder.

Bayern Handwerk International hat das Inzeller Familienunternehmen mehrfach auf der Messe Klimahouse betreut und wollte nun einen Blick hinter die Kulissen werfen. Dazu haben wir mit Franz Dufter gesprochen, einem der drei Firmenchefs.



BHI: Herr Dufter, Sie und Ihre Brüder betreiben eine Maschine, die Holz so bearbeitet, dass es aussieht wie von Hand behauen. Wie kam es dazu?

Dufter: Altes Holz ist sehr gefragt, aber es kann Probleme geben, wenn es tragend sein muss. Außerdem bekommt man auf dem Markt nicht die Menge, die man braucht.

BHI: Und darum haben Sie sich darauf spezialisiert, neues Holz so zu bearbeiten, dass es aussieht, als hätte man die Balken per Hand aus dem Baumstamm geschlagen.

Dufter: So ist es, genau. Bevor die Gattersägewerke (im 16. Jahrhundert, Anm. der Redaktion) erfunden wurde, ist alles Kantholz gehackt worden, und so ist die besondere Oberfläche entstanden. In den 1980er Jahren gab es dann einen Trend, Kantholz aus dem Sägewerk mit der Hand nachzuhacken, um die alte Optik zu erzielen. Das ist natürlich ziemlich mühsam. Da haben wir angefangen, eine Maschine zu entwickeln, die das kann.

BHI: Neues Holz alt aussehen zu lassen.

Dufter: Genau.

BHI: Würden Sie uns erklären, wie die Maschine das macht?

Dufter: Die Details sind natürlich ein Geheimnis. Das plaudern wir nicht aus, weil mittlerweile 20 Jahre Entwicklungsarbeit dahinterstecken. Im Prinzip funktioniert die Maschine so, dass sie verschiedene, unregelmäßige Tiefen in der Holzoberfläche erzeugt.

BHI: 20 Jahre lang haben Sie an dieser Maschine gebaut?

Dufter: Eigentlich ist das so nebenbei entstanden, während der Zimmererarbeit. An der ersten Maschine, 1993, sind nur zwei Motoren gelaufen. Es war noch ein recht einfaches Gerät. An der Maschine von heute gibt es 30 gesteuerte Servomotoren.

BHI: Und wer von Ihnen hatte die Idee?

Dufter: Das war unser Vater. Er ist Bauzimmerer. In seiner Freizeit hat er Maschinen entwickelt. Mein jüngerer Bruder Stefan hat die Sache dann weiterverfolgt und zur Zimmerei auch noch Maschinenbau gelernt.

BHI: Die Maschine, so schreiben Sie auf Ihrer Internetseite, ist die einzige auf der Welt. Gab es niemanden, der sie kopiert hat?

Dufter: Es laufen in Norditalien, in der Steiermark und in Tirol Maschinen, die ähnlich funktionieren. Jede Maschine arbeitet aber nach einem anderen Prinzip und jede macht eine andere Optik. Aber unsere Maschine, das muss man schon sagen, die ist einzigartig.

BHI: Sie besuchen internationale Messen und können über mangelnde Nachfrage nicht klagen.

Dufter: Seit 15 Jahren geht es bergauf. Und man merkt: Der Trend ist immer noch am Wachsen. Wir waren heuer zum dritten Mal auf der Klimahouse in Bozen. Dort trifft man Südtiroler Zimmereien und auch Endverbraucher. Da führen wir pro Stunde zirka 5 bis 10 Gespräche. Und wir gehen auf Fachmessen, wo der Holzhandel und auch das holzverarbeitende Gewerbe vertreten ist.

BHI: Und Ihre Erfahrung mit der Klimahouse?

Dufter: Wir waren mit Bayern Handwerk International am bayerischen Gemeinschaftsstand. Das ist sehr kommod. Dort hat uns eine Dolmetscherin unterstützt, die schon nach dem dritten, vierten Gespräch gewusst hat, worum es geht. Geniale Sache, weil die Hauptsprache auf der Messe Italienisch ist.

BHI: Wo kommt das Holz aus Ihrer Maschine zum Einsatz?

Dufter: Wir verbauen auch noch selber, aber hauptsächlich sind wir Zulieferer. Unser Holz kommt im Eigenheim zum Einsatz und auch bei Wellness-Hotels, Gaststätten oder Chalets-Dörfern, bei der Außenschalung, beim Innenausbau, beim Blockbau, bei der Sauna, beim sichtbaren Dachstuhl.

BHI: Alles, was rustikal ist?

Dufter: Nicht nur … Was auch viel gemacht wird: Sichtbeton, große Glasfronten und das Ganze dann unterbrochen mit Holz, das auf „alt“ gemacht ist.

BHI: Mit Ihrer Maschine haben Sie in der Produktionskette ein neues Segment geschaffen.

Dufter: Genau, das hat es vorher nicht gegeben.

BHI: Wie groß ist der Anteil an Geschäftsabschlüssen im Ausland?

Dufter: Ich schätze den Anteil unserer Aufträge, die nach Österreich, Frankreich, Schweiz und Italien gehen, auf 60 bis 70 Prozent. Überall wo es Tourismus gibt, sind wir vertreten.

BHI: Gibt es neue Ziele, eine neue Erfindung vielleicht?

Dufter: Wir sind gerade dabei, eine zweite Produktionsanlage und eine Lagerhalle zu bauen. Und dann wollen wir unsere Technik verbessern, zum Beispiel die Bestückung der Maschine, damit wir bei Nachfragen schneller sind. Außerdem werden wir unseren Internetauftritt verbessern, wir wollen mit einem Internetshop auch an den Endkunden liefern können.

BHI: Gibt es eine bekannte Adresse, wo Ihr Holz verbaut wurde?

Dufter: Beim Torhüter vom FC Bayern am Tegernsee, bei einer bekannten Schlagersängerin in Stuttgart, beim Eigentümer von Red Bull in der Steiermark …

BHI: Respekt!

 

Das Interview führte Maria Weininger, Bayern Handwerk International