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Ein Schreinerbetrieb mit einer Geschichte wie aus einem Bilderbuch
„Das Allgäuer Unternehmen Scholz Ladenbau ist ein Paradebeispiel dafür, wie sich Familienbetriebe über Jahrzehnte erfolgreich den Gegebenheiten und Kundenbedürfnissen anpassen und sich auch im internationalen Markt behaupten können“, sagt Karin Mai. Sie ist Außenwirtschaftsberaterin bei Bayern Handwerk International (BHI) und hat Scholz Ladenbau bei Fragen zur Entsendung von Mitarbeitern und zu Meldepflichten im europäischen Ausland unterstützt.
Von der Stuhlreparatur zum Ladenbau
Es ist eine Erfolgsgeschichte wie aus dem Bilderbuch: Der aus Schlesien stammende Großvater des heutigen Geschäftsinhabers hat sich 1951 abseits der kleinen Allgäuer Gemeinde Missen-Wilhams an einem Bach in einer alten Mühle niedergelassen. Gemäß seines erlernten Berufs als Schreiner, hat er Stühle repariert und nebenbei eine kleine Landwirtschaft betrieben. Wo früher die landwirtschaftlichen Gebäude waren, betreibt heute der Enkel Robert Scholz seine Schreinerei „Scholz Ladenbau“. Eine Betriebsstätte fern der nächsten Besiedelung, idyllisch zwischen Hügeln und Bach gelegen.
Traditionshandwerk vor neuen Herausforderungen
Ladenbau Scholz gehört heute zu den wichtigen Arbeitgebern in der Gemeinde, der Wirkungsgrad des Unternehmens reicht aber weit über die Region hinaus. Banken, Gastronomie, Hotels und hochrangige Wirtschaftsunternehmen in Deutschland, in der Schweiz, Österreich und Italien gehören zum Kundenstamm von Scholz Ladenbau. Angelika Scholz, zuständig im Familienbetrieb für Buchhaltung und Controlling, schildert den Ablauf der Prozesse. Vor Ort werde Maß genommen, wie es im Schreinerhandwerk gute Tradition sei, sagt sie, dann folge das Gespräch mit den Kunden: Wie ist der individuelle Bedarf, welche Lösungen bieten sich an?
Der Fortschritt hat aber auch vor dem Schreinerhandwerk nicht haltgemacht. „Der Plan zur Fertigung wird in 3D erstellt. Daraus werden die Programme generiert, um Zuschnitte der Einzelteile an die Maschinen zu übergeben“, erklärt Angelika Scholz. Auch die Materialvielfalt hat sich verändert. Man verarbeite mittlerweile nicht mehr nur Holz, sondern auch Kunststoffe, Metall und Glas. Trotzdem sieht sich das Unternehmen noch als traditioneller Handwerksbetrieb. Die Zeiten haben sich nicht nur für das Schreinerhandwerk geändert, sondern auch für Kunden: Man spüre den Rückgang des Einzelhandels, sagt Angelika Scholz: „Der Schwerpunkt der Aufträge hat sich vom Ladenbau zum Objektbereich verlagert, hin zu großen Bürogebäuden oder Gaststätten.“
Die Branche konnte sich behaupten, was nicht zuletzt an der Schreinerinnung im Allgäu liegt, „die dafür bekannt ist, in der Ausbildung sehr aktiv zu sein“, sagt der Geschäftsinhaber Robert Scholz. „40 bis 50 Lehrlinge werden hier im Jahr ausgebildet.“ Es kämen sogar junge Menschen von überall her, um im Allgäu ihre Schreinerausbildung zu machen. Das ist insofern bemerkenswert, als sich heute Lehrlinge ihre Lehrstelle aussuchen würden und nicht mehr umgekehrt. Auch Robert Scholz bildet jährlich aus. Über einen Fachkräftemangel kann man sich im Unternehmen also nicht beschweren. Das liege aber auch daran, dass der Beruf des Schreiners sehr vielseitig und unter jungen Menschen beliebt sei, auch unter Frauen, sagt Angelika Scholz. „Schreinern macht einfach Spaß“. Kürzlich habe man einen Mitarbeiter ausgezeichnet, der seit 60 Jahren dem Unternehmen treu geblieben sei.
Neuland in Europa
Wie beurteilt Robert Scholz den Vorteil seines Unternehmens? „Es ist die Grenznähe. Und wir sind so aufgestellt, dass wir auch mal größere Aufträge meistern können.“ Er liefert und montiert in Österreich und in der Schweiz, „was sich andere Schreinerbetriebe gar nicht trauen würden“. Jedes Land sei wieder „Neuland“, sagt Angelika Scholz. So sei es wichtig, mit Bayern Handwerk International jemanden zu haben, „der einen im Hintergrund unterstützt, damit man alles gut über die Bühne bringt“. Einen Wunsch hat Angelika Scholz, den sie dringend an die Politik richten möchte: In Europa gäbe es Arbeitnehmerfreizügigkeit, das gelte aber vor allem für Arbeitnehmende. Firmen werde es hingegen in ihrer Dienstleistungsfreiheit immer noch schwer gemacht – mit unterschiedlichen bürokratischen Vorgaben und schwierigen Verarbeitungsprozessen. Ihr Apell: „Die Unterstützung durch BHI ist gut. Aber eigentlich müssten die Verfahren EU-weit vereinfacht werden.“
Das Interview führte Maria Weininger/Bayern Handwerk International
(BHI NL Nr. 04/2026)